Erinnerung an Anton Saefkow100. Geburtstag am 22.7.2003
In Erinnerung an den Widerstand gegen das NS- Regime wurden in Lichtenberg und im Ortsteil Fennpfuhl in ehrenden Gedenken der NS-Widerstandskämpfer Straßennamen nach ihnen benannt. Dazu zählen u.a. Anton Saefkow, Franz Jacob, Bernhard Bästlein, Judith Auer, Hans Coppi , Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack. Heute möchten wir vorstellen in einer Serie: Anton Saefkow Anton Saefkow wäre am 22.7.2003 hundert Jahre alt geworden. Der gelernte Maschinenbauer wurde 1924 im Alter von 21 Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei (KPD) und arbeitete bis 1933 in verschiedenen Funktionen des kommunistischen Jugendverbandes und in Bezirkleitungen der Partei. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde er verhaftet und war bis 1939 in KZ-und Gefängnishaft. 1942 baute Anton Saefkow, der damals 39 jährige mit Franz Jacob eine illegale kommunistische Widerstandsgruppe in Berlin auf. In dieser Gruppe wirkte auch Bernhard Bästlein mit, der 1942 nach seiner Haft zur Gruppe Anton Saefkow zählte. Im Mai 1942 wurde die Gruppe Saefkow, die vermutlich mehrere hundert Widerstandskämpfer zählte, von der Gestapo zerschlagen. Eine kleinere Gruppe unter Anton Saefkow arbeitete im Untergrund weiter. Diese Gruppe hatte Kontakte zu anderen Gruppen im Inland sowie im Ausland. Die Kontaktaufnahme zu den anderen Gruppen wurde ihnen zum Verhängnis. Die Gestapo konnte einen Spitzel einschleusen. Genau zu diesem Zeitpunkt traten sie außerdem mit der Widerstandsgruppe in Kontakt, die für den 20.Juli 1944 einen Umsturzversuch gegen das Regime plante. Nach diesem Treffen wurden alle Teilnehmer verhaftet und die Gestapo kam weiteren Mitgliedern der Anton Saefkow-Gruppe auf die Spur. Zahlreiche Festnahmen folgten. Anton Saefkow und Franz Jacob und Bernhard Bästlein wurden noch 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Rudolf Seiffert
Am 29. Januar 1945 wurde der 47- jährige Rudolf Seiffert im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet Wer war Rudolf Seiffert? Geboren am 11. Juli 1908 in Berlin, von Beruf Rohrleger. Er war ein begeisterter Sportler und gehörte in Berlin zu den bekanntesten Langstreckenschwimmern. 1926 schloss er sich dem Kommunistischen Jugendverband an, war politisch aktiv und beteiligte sich an Demonstrationen. Im Frühjahr 1929 wurde er während einer Demonstration durch den Wedding von Polizeikugeln so schwer verletzt, dass noch nicht einmal 21-jährig sein Bein amputiert wurde. Er war danach lange arbeitslos und musste als Invalide seine sportliche Laufbahn beenden. Erst 1936 fand er als Hilfsarbeiter und Revisor eine Beschäftigung bei den Siemens & Halske Werken. Gemeinsam mit Sozialdemokraten, Kommunisten und Parteilosen leistete er Widerstand gegen Faschismus und Krieg, verteilte Flugblätter, unterstützte illegal Lebende mit Lebensmitteln, stellte seine Wohnung als illegales Quartier zur Verfügung. Durch Verrat wurde er im September 1944 verhaftet und vom „Volksgerichtshof" zum Tode verurteilt. Ein Brief von Rudolf Seiffert aus der Todeszelle im Zuchthaus Brandenburg an seine Frau Hilla im Januar 1945 Tag und Nacht sind die Hände übereinander gefesselt, nur zu den Mahlzeiten frei. Durch das einfache Fenster weht die eiskalte Winterluft, der Heizkörper in der Zelle wird nur stundenweise erwärmt, Temperatur am Tage höchstens 10 Grad Wärme. Der Körper sträubt sich mit aller Kraft gegen die Kälte, doch es ist zwecklos, da die innere Wärme fehlt, der Hunger an den Därmen nagt. Ständig hungern, ständig frieren. Nachts, mit einer Decke auf dem Strohsack, ist es noch schlimmer. Du krauchst zusammen wie ein Embryo, die Decke über dem Kopf, und versuchst, mit dem eigenen Atem dir Wärme zu spenden...So vergeht ein Tag wie der andere, du sitzt hier und wartest...Eines schönen Tages, meist ist es ein Montag, geht die Zellentür auf, dein Name wird gerufen, der Beamte fragt:„Haben Sie ein Testament?", und wenige Zeit später lebst du nicht mehr. So rein geschäftsmäßig geht man mit Menschleben um. Ist das Kultur? Und so geht es Montag für Montag, Woche für Woche, Monat für Monat, jeden Montag ca. 25 Stück. Ja, Stück, das ist die Amtssprache für Menschenleben. Ein Stamm von 200 Todeskandidaten füllt hier das Brandenburger Zuchthaus. Ein dauerndes Kommen und Gehen in ein Nichts. Aber alle Kumpels, einer wie der andere, aufrecht und entschlossen gehen sie zum Schafott, denn sie wissen, ihr Opfer war nicht umsonst, die neue Zeit bahnt sich an, die sozialistische Gesellschaftsordnung. So liebe Hilla, ist mancher lieber Kamerad vor mir aus der Zelle gegangen, genau in der geschilderten Weise, Kameraden, an die man sich gewöhnt hatte, Kameraden, mit denen man hätte die Welt umkrempeln können. Ja liebe Hilla, Kommunisten, Revolutionäre, Tote auf Urlaub. So liebe Hilla, warte nun auch ich, bis mein Name gerufen wird, aufrecht und entschlossen. So lebt denn wohl alle, die Ihr mir lieb geworden Seid! Rudolf
Otto Marquardt
Otto Marquardt geboren am 17.8.1893 In Altona-Hamburg Hingerichtet am 30.10.1944 Zuchthaus Brandenburg
Gedenken an Otto Marquardt Otto-Marquardt-Straße, Fennpfuhl, Berlin-Lichtenberg
Ein Abschiedsbrief von 30.Oktober 1944 an seine Ehefrau
Meine liebe, gute Martha! Heute werde ich es so machen, wie Du mir in Deinem letzten Brief geraten hast, denn heute gehe ich den Weg, dem ich nicht mehr ausweichen kann. Ich halte Dich fest. Und sage Dir auch zum letzten Mal „ Gute Nacht liebe, gute Martha“ Ich bitte Dich, lass es Dir nicht so schwer werden. Du hast ja Recht, einmal müssen wir ja doch voneinander gehen. Gern wäre ich noch bei Dir, wenn’s in der Zukunft hart auf hart geht. Nun musst Du allein mit allem fertig werden. Ich war nicht so schlecht, dass ich dieses Urteil verdiene. Aber darüber ist jetzt nicht mehr zu streiten. Das Schicksal trifft mich eben so hart. Aber ich denke daran, wie Du mir geschrieben hast, dass mein lieber Junge und so viele andere in dieser unglücklichen Zeit schon Ihr Leben verloren haben. Wenn mir jetzt noch einmal kurz Gelegenheit gegeben wurde, letzte Grüße zu schreiben, so tue ich es mit dem Wunsche, dass Dir Dein letzter Abschnitt des Lebens so wird, wie Du ihn in Deinem Schreiben angekündigt, in stetem Gedenken. Sonstige Wünsche habe ich keine. Meinen Nachlass verwalte so, wie Du es für richtig hältst. Grüße noch einmal alle meine Verwandten, meinen alten Vater, Mutter, meinen Helmut, Hanna, Willi und alle mir Bekannten und Befreundeten. Und Du sei zum letzten Mal herzlichst geküsst von Deinem Manne Und jetzt nimm mich an die Hand Lebe Wohl, meine liebe, gute Martha
Wir erinnern - sie wurden ermordet
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