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Gedanken bei einem Spaziergang rund um den Fennpfuhl

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Der Titel müsste eigentlich lauten: Gedanken bei einem Spaziergang rund um das Gebiet des Fennpfuhles. Denn einen Spaziergang rund um den Fennpfuhl würde gerade mal 10 Minuten dauern und dabei könnten ja auch nicht viel Gedanken entstehen. Außer man beschaut sich die schönen Anlagen rund um den Fennpfuhl. Beim Titel „ Gedanken bei einem Spaziergang... “ sind mir im Vergleich zur Gegenwart viele Gedanken aus der Vergangenheit gekommen. Mal sehen was dabei heraus kommt.

 

Ausgangspunkt meines Spazierganges war die Straßenkreuzung Storkower Ecke Landsberber Allee, vormals Leninallee. Diesen Straßennamen findet man heute nicht mehr, genau wie die Ho Chi Minh Strasse.  

Sicherlich könnte man sich lange über das Thema der Umbenennungen auslassen. Man sollte jedoch viel mehr Toleranz zeigen. In Paris gibt es z.B. heute noch eine Metro Station mit dem Namen „ Stalingrad“.  

Hinter mir steht heute eine Investruine, funküberwacht. Früher, also lange vor der Wende stand dort ein Flachbau. Man konnte dort Kleintiere kaufen und Zierfische. Wenn man auf der Brücke stand, konnte jeder das Gequieke der Schweine  hören, ein Gestank des Zentralviehhofes nebelten die wartenden Arbeiter ein, welche mit dem O-Bus dichtgedrängt in Richtung Marzahn zur Arbeit fuhren. Das war so um 1962, unser Fennpfuhl- Gebiet war noch eine riesige Gartensiedlung. Hinter dem Steuerhaus hörte Berlin auf kann man sagen.

 

Der besagte O-Bus schaukelte überwiegend die Arbeiter nach Marzahn, dort entstand die Berliner Werkzeugmaschinenfabrik, vormals Hasse und Wrede. Ein Betrieb den man vorzeigen konnte. Politisch natürlich ausgeschlachtet im Rahmen des sozialistischen Wettbewerbes, wie u.a.: Mit dem Marzahner Elan erfüllen wir den Plan. Na ja mit dem Plan war das so eine Sache, aber Spitzenerzeugnisse hatte man dort hergestellt und in die ganze Welt exportiert.

 

Habe meinen gewählten Ausgangspunkt in Blickrichtung Landsberger Allee verlassen, sonst kommen einem noch mehr Gedanken gerade über die genannte Kreuzung. Kaum 500 Meter gelaufen sieht man auf der rechten Seite eine Kaufhalle im typischen DDR- Baustil. Selbige ist, wie viele andere im Wohngebiet und unserer Stadt, mit Graffitis und allerlei anderen Schmierereien übersät.

Erschreckend, was wir doch für ein Kulturvolk geworden sind oder uns an Unarten übernommen haben. Graffitis sind überall. Für manche sind sie öffentliche Kunst, für die meisten sind die dagegen überall gesetzten Tags einfach nur Farbschmierereien.  Eine saftige Strafe und der Auftrag zur Beseitigung sollte schon helfen. Oder aber man schafft für Jugendliche öffentliche Ausdrucksmöglichkeiten in der Stadt, also stellt Ihnen Flächen zur Verfügung, wo Sie visuell sagen können was Sie bewegt. In Friedrichshain gibt es schon  herrliche Häuserkunst im Graffitistil( z.B. Rigaer Str. und Frankfurter Allee/Ecke Samariterstraße). Aber da müsste sich in unserer Gesellschaft sicherlich vieles ändern, vor allem müssten die Interessen der Gemeinschaft neben denen der Individuen eine Bedeutung haben.

In Höhe der Karl Lade Straße Ecke Landsberger Allee, hier befand sich vor langer Zeit das Steuerhaus, umgehe ich unseren Kiez in nördlicher Richtung durch die Oderbruch Straße. Vorher noch einen Blick entlang  der Landsberger Allee. Man hat von dieser Stelle aus einen weiten Blick vorbei an die vielen rekonstruierten Plattenbauten des Fennpfuhles.

 

Die Oderbruch Str. führt in die Hohenschönhauser Str. am Volkspark Prenzlauer Park vorbei. Der Park ist eine schöne ergänzende Anlage, was grenzüberschreitend von vielen Bewohnern des  Fennpfuhles  zu Spaziergängen genutzt wird. In Höhe der Judith Auer Str. wird ein Blick frei bis zum Anton Saefkow Platz, vorbei am Seniorenheim und etwas versteckt das neue Wohn- und Einkaufszentrum, dem Castello. Das Castello erscheint sicherlich gewöhnungsbedürftig, vor allem im Wohnungsbereich. Hatte kürzlich ein Gespräch mit einem Mieter dieser Anlage, welcher dort eingezogen war. Er bestätigte meine Annahme und meinte seine Möbel aus der alten Wohnung konnte er nicht aufstellen. Ein völlig neues Wohnambiente musste er schaffen.

 

Angekommen an der Kreuzung  Hohenschönhauser Ecke Weißenseer Weg, vormals Ho Chi Minh Str. Bei diesem Straßennamen fällt einem Vietnam ein und zieht bestimmte Parallelen zum heutigen Krieg in Afghanistan. Lasse diesen Gedanken schnell fallen.

 

Von dieser Kreuzung hat man einen Blick hinüber zum Sportforum Berlin, eine tolle Gesamtanlage für Leistungssport mit allen nur erdenklichen Möglichkeiten. Bekannte Sportler des DDR Sports haben hier über Jahre erfolgreiche Ergebnisse erzielt im nationalen und internationalen Sportgeschehen unterschiedlicher Sportarten. Auch heute noch sind es gerade die Sportler dieses Bundesleistungszentrums, die super Ergebnisse national und international erzielen. Gerade erst bei den vergangenen Winterspielen war Claudia Pechstein ein echtes Goldhäschen.

 

Der Weißenseer Weg führt  über die Indira Gandhi Str. vorbei an den jüdischen Friedhof  nach Weißensee. Dort will ich aber nicht hin auf meinem Spaziergang, sondern ich gehe in Richtung Landsberger Allee. Nutze die rechte Seite des Weißenseer Weges. Die linke Seite gehört nicht zum Fennpfuhl – Gebiet, leider obwohl am neuen Autohaus stolz die Werbung steht: Autohaus am Fennpfuhl. Auch das an der Kreuzung Landsberger Allee /Ecke Weißenseer Weg stehende Hotel und Kongresscenter  ist noch nicht unser Gebiet. Dieses Gebiet wird als das Altenhofer Dreieck bezeichnet bzw. genannt. Die Trennlinie zum Nachbarortsteil  sind die Straßenbahngleise. Deshalb sollte man das Altenhofer Dreieck zum Fennpfuhl zurechnen, denn die Bürger und Einrichtungen haben sich längst zum Fennpfuhl bekannt. Eine Enklave Altenhofer Dreieck am Fennpfuhl-Gebiet. Klingt doch nicht schlecht. Die Kreuzung, selbige seit kurzer Zeit keine Baustelle mehr, bietet einen guten Überblick zum Fennpfuhl auf der einen Seite und in Richtung  Osten kann man das historische Wasserwerk erkennen. Blickt man zurück entlang der Landsberger Allee, kann man die Kuppel des Fernsehturmes erkennen. Der Fernsehturm wurde 1972 fertiggestellt, im gleichem Jahr begann der Bau am Fennpfuhl.  Blickt man den Weißenseer Weg in Richtung Herzberg Straße hat man neben den Blick vom Fennpfuhl am Ende die Häuserkomplexe mit den Regenbogenzeichen als markantes neues Zeichen unseres Kiezes. Es gab viel Pro und Kontra wegen der Gestaltung. Mir gefällt es und es setzt Zeichen für Veränderungen.

 

Fast gedankenlos spaziere ich entsprechen meiner vorgesehenen Wegroute über Landsberger Allee bis zur Vulkan Str. gleich weiter über die Herzberg Str. bis zur Josef Orlopp Str./ Ecke Rusche Str. Wenn ich sage : fast gedankenlos, so stimmt es nicht ganz. Ich habe mich zum Beispiel gefragt, wie die vielen Bewohner der angrenzenden Landsberger Allee und der Vulkan Str. ohne öffentliche Verkehrsanbindung, besonders für die älteren Bürger, die City erreichen. Hier sollte man sich was einfallen bei der BVG, wenn sie mal wieder Geld hat.

Die zweite Frage war für mich, was machen wohl die vielen Werktätigen, welche östlich der Vulkan Str. in den vielen Industriebetrieben der maroden DDR-Volkswirtschaft tätig waren.

 

Weiterspaziert zur Ecke Vulkan / Rusche Str. bewegen mich weitere Gedanken. Blickt man der Rusche Str. entlang kann man Teilgebäude der ehemaligen Stasi  sehen. Wenn ich zu DDR-Zeiten dort lang fuhr, hatte ich immer ein eigenartiges Gefühl im Bauch. Was machen die Genossen von Horch und Guck dort wohl in dieser riesigen Anlage. Man nahm es gleichgültig hin als bewusster Staatsbürger und sagte sich, na die in der BRD haben auch ihr Pullach. Heute im Nachhinein man kann nur hoffen, dass sich eine derartige Organisation mit allen seinen Auswüchsen nicht wiederholt oder als Inkarnation aufersteht.

 

Weiterhin kam mir in den Sinn die ehemalige Fertigungsstätte in der Josef Orlopp Straße, das VEB Wälzlagerwerk Josef Orlopp in den Sinn.

Eine bekannte Firma aus dem Nürnberger Raum, auch bekannt von der Börse, hat diese Firma wohl für einen Apfel und ein Ei gekauft oder wollte wohl kaufen. Egal wie, man hatte wohl alle Informationen über Absatzmöglichkeiten und damit das Aus für das Werk. Die eigene Produktion lief auf vollen Touren und die Aktien an der Börse stiegen.

 

Die Arbeiter des Josef Orlopp Werkes hingegen wanderten zur Rusche Str. zum Arbeitsamt in die Arbeitslosigkeit und was wurde aus den Maschinen und Ausrüstungen der Firma? .

 

Genug von diesen Gedanken, im Schnelltempo weiter die Josef Orlopp Straße in Richtung Storkower gleich durch bis zum Storkower Bogen.

Eine, so finde ich, sehr schöne ergänzende Erweiterung  unseres Fennpfuhlgebietes. Leider fehlt der Flair und die Anziehungskraft um eine besucherstarke Ausstrahlung zu erreichen.

 

Gleich neben dem Storkower Bogen sieht man die neue Gestaltung eines Hochhauses nach den Plänen eines Künstlers und wird jetzt nur noch das Gustavo – Haus genannt.

 

Blickt man zum alten Zentralviehhof hinüber, so kann man die noch leere Baustelle  sehen. Frage mich, ob das Gebiet noch fertig gestellt wird bei dem riesigen Überangebot an Wohnungen und Büroflächen in unserer Stadt. Schnell erreiche ich meinen Ausgangspunkt, die Kreuzung Storkower Ecke Landsberger Allee. Viele Gedanken über unseren Kiez sind mir bei dem Spaziergang rund um das Gebiet nicht gekommen.

 

Es war vielmehr eine Herausforderung das gesamte Gebiet zu umlaufen. Vielleicht finden sich Nachahmer mit Ihren Gedanken bei einem Spaziergang  kreuz und quer durch unseren Fennpfuhl – Kiez.   

 

Klaus Dieter Baumgarten